Eine dunkle Kraft treibt Künstler und Kriminelle


CHO in WestDeutsche Allgemeine, Thursday 22nd April 1993, Germany.


Am 23. April vor 31 Jahren tötete der Duisburger Massenmörder Joachim Kroll - alias „Jockel" - das 13jährige Mädchen Petra Giese. Der belgische Künstler Danny Devos nimmt dieses Datum zum Anlaß für eine besondere Art der Auseinandersetzung mit dem Mörder, der zwischen 1959 und 1974 im Ruhrgebiet mindestens 14 Menschen umgebracht hat. Devos läßt bei der Performance „True Crime Art" am 23. April, 16 Uhr, Lothringer Straße 36, die grausige Vergangenheit wieder aufleben.

Danny Devos begab sich auf die Spur von Kroll, sammelte alle Zeitungsausschnitte und jegliche Quellen, die er in den Archiven des Ruhrgebiets auftreiben konnte. Er besuchte die Tatorte, an denen „Jokkel" seine Opfer fand, sammelte dort Gegenstände und Materialien auf, um sie in seiner Performance zu Versatzstücken des Mordes neu zusammenzustellen.

Gras, das an dem Fundort einer Mädchenleiche wuchs, befestigt Devos an eine weiße Steinwand, dazu eine Landkarte, die den Tatort bezeichnet, Fotos des Mörder und eine Eisenbahnschiene. Devos stellt die Szene des Mordes nach, der in unmittelbarer Nähe einer Bahnlinie geschah. 14 Morde, 14 Stationen.

Danny Devos ist einer von 27 Künstlern, die im Rahmen eines Transfer-Projektes mit Belgien mehrere Monate in NRW leben und arbeiten. Zu Anfang des nächsten Jahres werden die Werke aller Künstler in einer Sammelausstellung in Recklinghausen zu sehen sein. Zuvor wird diese Ausstellung in Gent gezeigt. Devos zu seinem Interesse an Kroll: „Mord ist heute ein Teil des Alltags. Ich interessiere mich jedoch nicht für den Skandal, sondern für die Person des Täters, für seine Psychologie."

Devos glaubt, daß die Seele eines Künstlers der eines Kriminellen ähnlich ist: „In beiden gibt es eine dunkle Kraft, die die Menschen treibt, bestimmte Dinge zu tun." CHO





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